Mein Abenteuer auf Gran Canaria

Letztes Jahr im August machte ich mich auf den Weg nach Gran Canaria, um dort mein Berufspraktikum als angehende Erzieherin zu absolvieren. Dieses sollte an der deutschen Schule Las Palmas de Gran Canaria, in der Vorschule passieren. Vermutlich eines der größten Abenteuer in meinem Leben. Richtig nervös wurde ich erst im Flugzeug, als mir bewusst wurde, dass ich mich gerade von meiner Familie verabschiedet habe und dass ich, wenn ich landen werde, erstmal niemanden kennen werde.

Begleitet wurde ich bei meinem Jahr von dem Berufskolleg Simmerath/Stolberg. Die mich für mein Anerkennungsjahr „adoptiert“ hat. Während meines Aufenthaltes bin ich zwei Mal nach Deutschland geflogen, um an verschiedenen Workshops an der Schule teilzunehmen. Diese konnte ich vorab wählen und hatte somit die Möglichkeit, meine Interessen abzudecken. Netter Nebeneffekt war, dass ich einen kurzen Besuch in der Heimat machen konnte. Neben meinen Besuchen in Deutschland, kam auch meine Lehrerin, Frau Julia Groß, zweimal auf die Insel zu mir. Dort hatte ich die Möglichkeit meine Arbeit und Projekte vorzustellen, Gespräche zu führen und Fragen zu meinen Arbeiten zu stellen. Über den kompletten Zeitraum fand ein regelmäßiger Austausch statt und ich konnte mich mit jeder Frage und jedem Problem an die Schule bzw. meiner Lehrerin wenden. Somit fand von Anfang an eine kooperative Unterstützung statt, die mir während meines Jahres auf der Insel sehr geholfen hat. Zusätzlich wurde ich von dem Programm Erasmus+ unterstützt. Vor allem durch die finanzielle Unterstützung war es kein Problem, die Flüge nach Deutschland und die Miete zu bezahlen. Somit musste ich vor Ort nicht gezwungenermaßen noch Nachhilfe oder Sonstiges geben und konnte mein Privatleben nach meinen Wünschen gestalten. Zusätzlich hatte ich über Erasmus+ die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu absolvieren und es wurde am Anfang und am Ende ein Test zum eigenen Sprachniveau durchgeführt. Das Ergebnis kann man zu seinen späteren Bewerbungsunterlagen beilegen. Zum Schluss habe ich den Europapass erhalten. Ich bin sehr dankbar für diese Unterstützung, denn sonst hätte ich mein Anerkennungsjahr nicht im Ausland absolvieren können.

Ich bin schon zwei Wochen vor Arbeitsbeginn angereist, um Zeit zu haben, mich einzuleben, Kontakte zu knüpfen und das Leben dort kennen zu lernen. Ich kam ohne jegliche Spanischkenntnisse auf die Insel. Dies war, wie sich herausstellte, eine wirklich große Herausforderung im Alltag, da im Norden der Insel die wenigsten der Inselbewohner Englisch sprechen. In den ersten zwei Wochen ging es also größtenteils darum, den Busverkehr zu verstehen, das Einkaufen zu meistern und sich an die neue Mentalität zu gewöhnen. Dies gelang mir ziemlich schnell, denn die Menschen dort sind immer gut drauf und freundlich, auch schon am frühen Morgen. Und trotz der Sprachbarriere hat man sofort eine gewisse Beziehung zu den Menschen dort.

Gewohnt habe ich in einer 2er-WG mit einer weiteren Berufspraktikantin. Somit hatten wir den gleichen Arbeitsweg und die gleiche Arbeitszeit. Die Wohnung war wirklich sehr schön und direkt an der Promenade, so konnte man den Arbeitstag immer am Strand ausklingen lassen.

Die Schule war eher außerhalb in den Bergen. Als Berufspraktikantin hatte ich jedoch die Möglichkeit, kostenlos mit dem Schulbus zu fahren. In der ersten Woche fand eine Einführungswoche statt, in der ich meine Anleitung, die Kollegen und die anderen Praktikanten bzw. Freiwilligen kennen lernen konnte. Außerdem hatten wir Zeit, verschiedene Behördengänge zu machen und es fanden Fortbildungen statt. Nach dieser Woche begann die Arbeit mit den Kindern. Am ersten Tag hatten wir Zeit uns gegenseitig kennen zu lernen. Die Kinder sind sehr offen und nehmen einen sofort in ihrer Mitte auf. Sie kennen den Wechsel, dass jedes Jahr ein neuer Praktikant und Freiwilliger in die Gruppe kommen, daher haben sie wenig Schwierigkeiten, sich an einen zu gewöhnen. Dadurch fällt es einem selbst auch viel leichter „anzukommen“. Durch die Hilfe der Kinder und meiner Anleitung fand ich mich schnell im Alltag zurecht. Beziehungen zu den Kindern aufzubauen gelang trotz der anfänglichen Sprachbarriere sehr gut. Es war erstaunlich zu sehen, wie schnell die Kinder sich die deutsche Sprache aneignen konnten. Die Arbeit mit den Kindern hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, sie waren offen für alles und sehr wissbegierig. Ich hatte viele Möglichkeiten und Freiraum für eigene Aktivitäten und Projekte durchzuführen. Ich durfte viel Verantwortung in meinem Jahr in der Gruppe übernehmen, wodurch ich viel über den Beruf und auch über mich selbst lernen konnte. Sogar die Elternarbeit hat mir trotz der Kommunikationsschwierigkeiten, aufgrund dessen das viele Eltern nur Spanisch sprachen, große Freude bereitet. Man wurde offen und herzlichst aufgenommen und schnell als vollständige Mitarbeiterin akzeptiert.

Dadurch, dass die Vorschule im Laufe des Jahres an die 50 Praktikantin betreut, die über unterschiedlichen Zeitraum dort arbeiten, knüpft man schnell und viele Kontakte. Auch die Grundschule betreut Freiwillige, mit denen man in Kontakt treten kann. Alle kommen aus Deutschland, daher entstehen schnell viele Freundschaften. Im Privatleben wird es daher nie langweilig. Man wohnt dicht beieinander und die Busverbindungen sind gut und günstig. Anfangs haben wir viel Zeit verbracht die Insel zu erforschen. Städtetrips, Strandbesuche und Shoppingtouren quer über die Insel standen am Wochenende auf dem Plan. Nach Feierabend haben wir den Abend meist mit Kochabenden, Restaurantbesuchen oder am beliebten Canterasstrand, welcher direkt vor der Tür war, ausklingen lassen.

Insgesamt war mein Jahr auf Gran Canaria ein großes Abenteuer. Ich wusste anfangs nicht, was auf mich zu kam und war zum ersten Mal in meinem Leben allein auf mich gestellt und kannte niemanden. Doch während dieser Zeit habe ich unglaublich viel dazu gelernt. Ob im Privaten oder Beruflichen hatte ich die Möglichkeit, meine Stärken kennen zu lernen und an meine Grenzen zu gehen. Es war eine aufregende Zeit mit Höhen und Tiefen. Dennoch bereue ich nicht einen einzigen Tag, dieses Abenteuer gewagt zu haben. Diese Erfahrungen und Erinnerungen kann mir keiner mehr nehmen und bringen mich in meinem Leben weiter. Ich habe viele tolle Menschen kennengerlernt, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe und die ersten Treffen in Deutschland sind schon geplant. Auch ist eine Reise im nächsten Jahr nach Gran Canaria geplant, um die Kinder, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und meine Anleitung, die mir in der Zeit immer mit Rat und Tat zur Seite stand, wiederzusehen.

Ein großes Dankeschön gilt also meiner Anleitung für die unglaubliche tolle Zusammenarbeit, Erasmus+ für die finanzielle Unterstützung, dem Berufskolleg Simmerath/Stolberg für das spontane „adoptieren“ und meiner Lehrerin, Frau Julia Groß, für die individuelle und engagierte Begleitung meines Berufspraktikums.

Ich würde es immer wieder machen und bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, so eine schöne Zeit zu erleben, auf die ich noch in Jahren zurückblicken werde.

 

Janice Wehrse