Norwegen vom 13. - 23. Oktober 2017

Bericht von Cäcilia Schirra

1. Reiseverlauf im Überblick

2. Unterkünfte

- Oslo

- Trondheim

- Bergen

- Tonsberg

3. Kontakte

 Trondheim

- Vollgardsbarnehagen

- Montessori Kinderhaus

- Pilgerbüro

 

Tonsberg

- Montessori Kinderhaus und Schule

 

4. Chronologie der Reise und meine Erfahrungen

 

5. Resümee

 

 

1. Reiseverlauf im Überblick

Die Reise führte mich mit dem Flugzeug innerhalb von zwei Stunden von Frankfurt nach Oslo, von dort mit dem Zug durch das Gudbrandsdal, weiter zwischen dem Rondane - und Dovre Nationalpark über Oppdal nach Trondheim, in knapp sieben Stunden und bei wunderbaren Ausblicken auf eine beeindruckende Natur. Die NORDLYS der Hurtigrute brachte mich von Trondheim nach Bergen. Das Schiff legte am Donnerstag um 10:00 h in Trondheim ab. Bei klarer Sicht und ziemlich gutem Wetter war eine atemberaubende Kulisse zu bestaunen. Freitag um 14:00 h kam die Nordlys in Bergen an - bei Regenwetter natürlich. Von Bergen zurück nach Oslo hatte ich wieder die Reise mit dem Zug gewählt um eine spektakuläre Landschaft zu „erkunden“. Von Oslo ging die Reise noch am selben Tag weiter nach Tønsberg, in eine Stadt ca. 100 km südlich von Oslo, an der Küste gelegen.

2. Unterkünfte

Als Unterkünfte hatte ich Jugendherbergen gewählt, weil sie eine „preisgünstige“ Möglichkeit bieten (für norwegische Verhältnisse) zu übernachten und sich zu versorgen. Die letzte Übernachtung in Tonsberg hatte ich über Airbnb gebucht, weil ich meinen Terminplan kurzfristig ändern musste.

 

  • In Oslo habe ich in der Jugendherberge Haraldsheim (http://haraldsheim.no/) übernachtet, in Trondheim in der Jugendherberge am Rosenberg (http://www.trondheimvandrerhjem.no/). Sie liegt neben einem der zahlreichen Studentenwohnheime.

  • In Bergen macht die Jugendherberge Montana (https://www.hihostels.com/de/hostels/bergen-montana) ihrem Namen alle Ehre. Sie liegt am Hang des Mount Ulriken und ist eine guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Einige Zimmer bieten eine wunderbare Aussicht auf Bergen und das Meer.

  • Airbnb war eine ganz neue Erfahrung für mich. Werde ich bei Gelegenheit wieder nutzen.

 

3. Kontakte

 In Trondheim habe ich zwei sehr unterschiedliche Kindergärten aufgesucht:

 

Den Vollgardsbarnehagen und

den Montessori Barnehagen.

 

Außerdem habe ich mit dem Pilgerbüro, welches die großen Pilgerwege in Skandinavien (ähnlich den Jakobswegen) sowie die ankommenden Pilger betreut, Kontakt aufgenommen.

 

In Tonsberg konnte ich einen großen Kindergarten mit angegliederter Schule und Nachmittagsbetreuung kennenlernen. In dieser Einrichtung wird vorbildlich und mit sehr beeindruckendem Material nach der Montessori Pädagogik gearbeitet.

 

4. Chronologie der Reise und meine Erfahrungen

  

Freitag, 13. Oktober

Vom Frankfurter Flughafen ging mein Flug nach Oslo. In nur zwei Stunden war ich in Norwegen. Mit einem Flybussen kam ich in Oslos Mitte, der Centralstationen am Olsoer Hauptbahnhof an. Strömender Regen verhinderte einen kleinen Ausflug in die Johannsgata, an deren Ende das Königliche Schloss liegt. Ich nahm daher gleich den Bus, der direkt vor dem Bahnhof abfährt und mich ganz in die Nähe meiner Unterkunft, der Jugendherberge Haraldsheim brachte. Trotz des kurzen Fußweges von der Haltestelle zum Haus war ich tropfnass als ich dort ankam.

 

Samstag, 14. Oktober

Schon ganz früh am nächsten Morgen nahm ich die Tram um meinen Zug nach Trondheim am Hauptbahnhof zu erreichen.

Die Zugfahrt nach Trondheim dauerte knapp sieben Stunden, eine Zeit, die ich recht kurzweilig verbrachte. Die Atmosphäre im Zug war sehr angenehm, der Zug war sauber und die Landschaft draußen sah grandios aus. Die Reise führte durch das schöne Gudbrandsdal, das mit einer imposanten Landschaft beeindruckte. Ganz andere Eindrücke von der Natur Norwegens boten die Ausblicke in das Rondane Gebirge und das Dovrefjell. Im Gegensatz zu dem lieblichen Gudbrandsdal war die Natur hier eher wild und rau, aber eben auch sehr faszinierend.

Von Oslo beginnend und am Gudbrandsdal entlangführend bis Dovre und von dort über das Dovrefjell weiter bis nach Trondheim führt einer der St. Olavswege. Diese Pilgerwege führen aus allen Richtungen Skandinaviens nach Trondheim, wo sie am Nidaros Dom enden. Sie sind für Skandinavien das, was die Jakobswege für Mittel- und Südeuropa sind.

Im Zug hatte die Gelegenheit, mit Mitreisenden kleine Unterhaltungen auf Norwegisch zu führen, es machte mir Freude, meine bescheidenen Sprachkenntnisse zu nutzen. 

Gegen 14:15 h kam ich in Trondheim, einer kleinen Stadt am Trondheimfjord, an. Diese Stadt ist mit 187.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Norwegens.Die Atmosphäre in der Stadt gefiel mir auf Anhieb gut. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg zur Jugendherberge, wobei ich diesen Weg als Gelegenheit für eine erste Orientierung nutzte.

In den Restaurants entlang eines Hafenbeckens saßen die Menschen noch auf den Terrassen und trotz des herbstlichen Wetters wirkte das Ambiente sehr südländisch auf mich. Einen solchen Eindruck hatte ich auch, als ich später noch einmal in der Stadt unterwegs war. In einer kleinen idyllischen Seitenstraße mit kleinen Lokalen saßen noch viele Menschen bei Musik und Lampionschein draußen

Der Nidaros Dom war mein erstes konkretes Ziel an diesem Abend. In der Beleuchtung am Abend war ich absolut beeindruckt von diesem mittelalterlichen romanisch-gotischem Bauwerk. Er ist das bedeutendste Bauwerk Norwegens, in welchem auch heute noch die norwegischen Könige gekrönt werden. Dieser mächtige Dom ist das Ziel der Pilger, die auf den Olafs-Pilgerwegen aus allen Richtungen Skandinaviens hier ankommen. Hier in Trondheim, am Dom führen all diese Pilgerwege zusammen. Das Pilgerbüro und die Pilgerunterkunft befinden sich in der Nähe.

Sonntag, 15 Oktober

Am Sonntagmorgen war ich in der evangelische Messe im Dom. An diesem regnerischen Sonntag war das Leben in der Stadt deutlich weniger geschäftig als am Tag zuvor. Ich habe dennoch einen ausgiebigen Stadtrundgang gemacht. Außerdem habe ich mich erkundigt, wie ich am Montag-morgen in die Einrichtung komme, in der ich um 10 Uhr den Termin mit der Leiterin hatte. Meine Informationen konnte ich auf Norwegisch erfragen und die Antworten auf Norwegisch auch verstehen. In der Sprache des Landes zu kommunizieren, machte mir immer mehr Freude.

 

 Montag, 16. Oktober

Rechtzeitig am Montagmorgen stieg ich in die Buslinie 9, die mich in Richtung Berge brachte, also stadtauswärts Die Einrichtung befindet sich am Stadtrand von Trondheim, in einer Wohngegend mit vielen größeren Wohnblocks, Einfamilienhäusern und kleinen Firmen. Irgendwie wirkt die Umgebung noch städtisch, hat aber schon ein ländliches Flair. Die Gebäude der Einrichtung fügen sich so in die Architektur des Gebietes ein, dass sie für mich nicht sofort als Kindertagesstätte erkennbar waren. Es sind typisch norwegische Holzhäuser. In dem weißen Haus befindet sich der Kindergarten das rote ist der Bauernhof, das gelbe ist der Wirtschaftsschuppen

http://www.vollgardsbarnehage.com

Zu der Einrichtung gehört ein Bauernhof, auf dem die Kinder in engem Kontakt mit den Tieren und der Natur sind. Diese Gemeinschaft von Bauernhof und Kindergarten ist ein Projekt der Kommune Trondheim. Der Bauernhof produziert keine Produkte, die auf dem Markt verkauft werden, er gehört zu dem Kindergarten, wird also nicht im eigentlichen Sinne bewirtschaftet. Ein bestimmtes Erziehungskonzept, wie etwa von Steiner oder Maria Montessori entwickelt, verfolgt man hier nicht. Lisbeth, die Leiterin, sagt, dass sie sich in ihrer Arbeit nach den Bedürfnissen der Kinder richten und darauf achten, was die Kinder brauchen. Für die etwa 30 Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen gibt es feste Tages- und Wochenabläufe, die sich auch nach Jahreszeiten, Festen und besonderen Ereignissen richten. Großen Stellenwert hat der Aufenthalt in der Natur, in der die Kinder sich betätigen. Das können sie täglich auf dem recht großen Außengelände, auf dem es außer dem Hof mit den Tieren auch einen Garten gibt, in dem die Kinder Kräuter und Gemüse pflanzen oder mit Holz bauen können. Im Umgang mit den Tieren (Pferde, Kühe Schweine, Schafe, jede Menge Kaninchen, Hühner) lernen die Kinder deren Bedürfnisse kennen und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Der Kindergarten ist sehr gut mit pädagogischen Mitarbeitern besetzt. Es kommen nicht nur Kinder aus der näheren Umgebung hierher, viele Eltern nehmen einen weiteren Weg in Kauf, um ihr Kind in dieser Einrichtung unterzubringen. In einem auf dem Gelände befindlichen Gebäude gibt es auch eine Praxis für Physiotherapie, die ich mir ebenfalls ansehen durfte.

Mit der Leiterin Lisbeth Størseth konnte ich das Gespräch in norwegischer Sprache führen, weil sie langsam und deutlich und keinen Dialekt sprach. Sie ist mir sehr freundlich begegnet. Sie freut sich über interessierte Praktikanten, weil sie meint, dass sie eine Bereicherung sind. Unsere Schüler und Schülerinnen sind daher herzlich willkommen. Der Bauernhof bietet auch den Freiwilligen-Dienst an. 

Dienstag, 17.Oktober

Das schöne rote Montessori Kinderhaus – im wahrsten Wortsinne – kann man fußläufig von der Jugendherberge aus in max. 30 Minuten erreichen. Das Wetter war an diesem Tag sehr gut, sodass ich gerne diese Möglichkeit nutzte, um die Stadt weiter kennen zu lernen. Der Weg führte durch eine gepflegte Wohngegend, an der Festung Kristiansten vorbei, deren herausragendes Gebäude über der Stadt residiert.

 Zunächst ging ich an dem typischen roten Holzhaus aus den 30-iger Jahren vorbei, weil es für mich nicht als Kindergarten erkennbar war. Ich sah Arbeiter im Außenbereich und hielt das Haus für ein ganz normales norwegisches Wohnhaus, ich erkannte nicht, dass das Haus ein Montessori Kinderhaus ist. Als ich eine Passantin fragte, erklärte sie mir, dass ich wieder ein Stück zurück gehen müsse. Dann traf ich Linda, die Leiterin, die nun auch draußen war und mit den Arbeitern die Arbeiten an der Außenanlage besprach. Sie begrüßte mich sehr freundlich. Wir sprachen englisch, denn ihr Norwegisch verstand ich nicht, Linda sprach schnell und mit Dialekt.

Sie zeigte mir das Haus, das auf allen Etagen genutzt wird, und erklärte mir Einiges zu den Gruppen, zum Tagesablauf, zum Montessori-Konzept und zum Bekanntheitsgrad der Montessori Pädagogik in Norwegen. Ich stellte fest, dass es sich hier ähnlich verhält wie in Deutschland: Montessori Pädagogik ist relativ unbekannt. Linda erklärte mir: Durch die Freunde der Kinder lernen andere Eltern dieses Konzept kennen und melden ihre Kinder in diesem Kinderhaus an, auch wenn der Weg weiter ist, als der zum nächstgelegenen Kindergarten im Wohnbezirk. Die Gruppe der Kinder im Alter von 0 - 3 Jahren hat ihre Räume im Erdgeschoss, die größeren Kinder von 3 - 6 Jahren werden in den oberen Räumen betreut.

Die Vision des Kindergartens: Der Kindergarten wird nach der Philosophie und den pädagogischen Richtlinien von Maria Montessori geführt. Durch systematische Beobachtungen jedes Kindes und der Gruppe als Ganzes betrachten wir die Bedürfnisse des Kindes und finden Aktivitäten, die auf seine Reife und sein Interesse zugeschnitten sind. Die Aktivitäten fördern die Konzentration, das Können, das Selbstwertgefühl und die Unabhängigkeit der Kinder. Selbstachtung und damit einhergehende Achtung vor anderen sind ebenfalls wichtige Faktoren unserer Pädagogik.

 

Linda war sehr interessiert daran, unseren Schülerinnen und Schülern einen Praktikumsplatz zu bieten, weil auch sie meint, dass Praktikanten immer auch eine Bereicherung für die Arbeit der Pädagogen und Pädagoginnen seien. Wir verblieben so, dass Kollegen, die besser Englisch sprechen, Kontakt aufnehmen und später dann, wenn es konkrete Interessenten gibt, den Termin absprechen.

 

Unsere S. u. S. könnten in der Jugendherberge (Vandrehjem) wohnen. Diese bietet eine gute und relativ preisgünstige Unterkunft. Man kann ein Appartement mieten, d. h. je drei Zimmer, die als zwei-Bett-Zimmer eingerichtet sind, haben eine gemeinsame, gut ausgestattete Küche und ein gemeinsames, komfortables Bad. Es ist daher möglich und ratsam, sich in der Jugendherberge selbst zu versorgen. Es gibt kein Frühstück – nur ein „Frühstückspaket - und keine warme Mahlzeit. Mit diesen Möglichkeiten kann man für norwegische Verhältnisse preiswert wohnen. Es ist ratsam, die Unterkunft frühzeitig zu buchen.

 

   

Vandrehjem Trondheim Blick vom Balkon in der ersten Etage

 

Nach dem etwa einstündigen Gespräch mit Linda machte ich mich zu Fuß auf den Weg ins Stadtzentrum. Ich besichtigte die Festung, von der man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt und das Hinterland hat. In einem Winkel der Festung befindet sich eine Gedenkstätte, die daran erinnert, dass hier der Ort war, an dem im Zweiten Weltkrieg norwegische Widerstands-kämpfer gegen die Nazis hingerichtet wurden. Norwegen hatte sehr unter der Besatzung der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gelitten. Das bekommt man im Umgang mit den Menschen nicht zu spüren. Ich erlebte hilfsbereite, freundliche Norweger. (Im Zug habe ich einmal eine Gruppe unfreundlicher Menschen erlebt, das war eine deutsche Familie.) Wenn man sich vorab über die „Sitten und Gebräuche“ der norwegischen Gesellschaft informiert, tritt man nicht so leicht in ein Fettnäpfchen.

Ich besuchte an diesem Vormittag auch das Pilgerbüro und erkundige mich nach Praktikums-plätzen. Die Konversation mit der Dame, die mir Auskunft gab, konnte ich in Norwegisch bestreiten. Sie erklärte mir, dass es die Möglichkeit gibt, Freiwilligen-Dienst zu leisten, ähnlich, wie es den auch auf dem spanischen Pilgerweg gebe. Sie rät mir, mich an eine bestimmte Adresse bzw. Telefonnummer zu wenden. (s. u)

Die Möglichkeit bzgl. eines Praktikums sollte nochmal im Pilgerbüro nachgefragt werden. Meine Sprachkenntnisse waren hierzu nicht ausreichend.

 http://pilegrimsgarden.pilegrimsleden.no/en

Mit diesem Besuch war mein „Kontakt-Programm“ in Trondheim beendet, jetzt wollte ich Erfahrungen zum Einzelhandel vor Ort machen. Dazu besuchte ich Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants. Die Preise für Essen und Trinken in den Lokalen sind in Norwegen sehr hoch. In den Lebensmittelläden sind die Preise für Nahrungsmittel zwar günstiger, aber immer noch deutlich höher als man sie aus Deutschland kennt. Mir fiel eine Einkaufsstraße auf, die ich bezüglich seiner Architektur besonders und vorbildhaft fand: Die alte Häuserzeile eines Straßenteils hatte man erhalten und in ein modernes Einkaufszentrum integriert. Der vordere Teil der Häuser bot die alte Straßenansicht, der hintere Teil gehörte zur modernen Einkaufszeile. In diesen alten Holzhäusern befanden sich nun kleine, moderne Geschäfte. 

Trotz der zahlreichen ganz unterschiedlichen alten, bunten Holzhäuser, wirkt die Stadt sehr modern. Vor allem fielen mir die vielen jungen Menschen auf, die geschäftig unterwegs waren, meist mit dem Fahrrad! Fahrradfahrer und Fußgänger leben in dieser Stadt in friedlicher Koexistenz, was auf Radfahrer, die sich die Wege in Deutschland mit deutschen Fußgängern teilen, sehr wunderlich wirkt. Weder Fahrradfahrer noch Fußgänger beschimpfen sich gegenseitig. Obwohl man, wenn man einen spontanen Schritt nach rechts oder links macht oder einfach mal stehen bleibt, Gefahr läuft, dass man einem Radfahrer in die Quere kommt und umgefahren wird. Trondheim, die drittgrößte Stadt Norwegens, beheimatet einige Universitäten und Hochschulen, entsprechend viele Studenten gibt es hier, die geschäftig, rasant aber entspannt mit dem Rad unterwegs sind. Ständig hatte ich das Gefühl, gerade knapp an einer Kollision vorbeigekommen zu sein. Mich beschlich der Verdacht, dass es wohl nur mir so ging, also wurde auch ich gelassen und wunderte mich nur noch über das Tempo der Radler. Und ihre Ausdauer, denn Trondheim liegt am Berg und es gibt Straßen, die eine gefühlte Steigung von 70 % haben.

 Meine Rückreise sollte über Bergen führen. Wann und wie ich reisen wollte, wollte ich vor Ort im Informationszentrum klären. Ich hatte keinen genauen Termin, aber die Möglichkeiten, die für mich in Frage kamen, habe ich an diesem Tag abgeklärt. Meine erste Option war der Bus. Dieser ist aber mehr als 20 Stunden unterwegs, also kam er für mich nicht in Frage. Zweite Möglichkeit war, mit dem Zug zu reisen. Am Bahnhof und in der Touristeninformation erfuhr ich, dass der Zug nach Bergen über Oslo fährt (!). Mindestens 14 Stunden wäre ich also unterwegs. Die dritte Option – weil ich ja die Landschaft sehen wollte – war die Reise mit dem Schiff. Diese Möglichkeit hatte ich an dritte Stelle gesetzt, weil ich angenommen hatte, dass diese Fahrt sehr teuer sei, was aber gar nicht stimmte. Das Ticket für die Fahrt inclusive einer schönen Außenkabine und einem unglaublich reichhaltigen Frühstücksbüfett kostete knapp 1700,00 NOK, also ca. 190 Euro. Und die Stunden auf dem Schiff (von donnerstags 10:00 h bis freitags 14:00 h) stellte ich mir bequemer vor als im Zug oder gar im Bus, von dem „Luxus“ der Schlafmöglichkeit ganz abgesehen. Meine Unterkünfte in den Jugendherbergen waren im Vergleich zu der Kabine bescheiden und teuer.

 

Mittwoch, 18. Oktober

Nach einer Bedenkzeit habe ich mich für die Schiffsreise entschlossen. Ich habe ein Ticket gekauft und dann einen ausgiebigen Stadtrundgang gemacht, mir ein Wohngebiet am Stadtrand angeschaut und andere Sehenswürdigkeiten besucht.

Donnerstag, 19. Oktober

Am Morgen verließ ich zeitig die Jugendherberge und ging zu Fuß den Berg runter zum Hafen, wo die Nordlys der Hurtigrute schon vor Anker lag. Ein bisschen Wehmut hatte ich im Herzen, weil ich mich spontan in diese besondere Stadt verliebt hatte. Aber die Aussicht darauf, dass sich einer meiner Träume bald verwirklichen wird, machte mir den Abschied leicht: Ich werde also mit einem Schiff der Hurtigrute als Passagier (nicht als gruppenreisender Tourist) von Trondheim nach Bergen reisen, also an der Westküste Skandinaviens ein Stück entlang schippern. Ich freute mich sehr darauf.

Diese Reise war ein phantastisches Erlebnis, weil die Landschaft überwältigend schön war, der Aufenthalt auf dem Schiff angenehm und das Wetter gut.

Bergen. Am Freitag um 14:00 h legte die Nordlys in Bergen an. Das Hafengebäude verlassend, stand ich in einem mittestarken Nieselregen. Dennoch beschloss ich, den Weg zur Jugendherberge zu Fuß zu gehen, ich wollte doch die Stadt „erleben“. Das konnte ich dann intensiv, weil der Weg weit war, der Regen heftiger wurde und die Straßen steiler als in Trondheim waren. Mein Weg führte immer weiter nach oben und wurde immer steiler!

Und Aussicht immer besser!

Blick auf die Stadt vom Hausberg Floyen.

 

Samstag, 21. Oktober

 Ich hatte Glück: Das Wetter war Samstag sonnig und relativ warm, ideal für eine Sightseeing-Tour auf eigene Faust durch die Stadt. Von einer Bushaltestelle, nur wenige Meter von der Jugendherberge entfernt, fuhr ich runter in die Stadt. So, wie sich Bergen auf Ansichtskarten und in Prospekten präsentiert, konnte ich all das Schöne mit eigenen Augen sehen und erleben.

 

Zum Beispiel das alte Bryggen, mit den bekannten Speicherhäusern, den großen Fischmarkt, die Fahrt mit der Floybahn auf den Floyen, den Hausberg von Bergen. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht auf die Stadt und die Berge. Die Stadt schmiegt sich an die Hänge der Berge soweit man blicken kann. Wenn jemand behauptet, dass Bergen die schönste Stadt Norwegens ist, würde ich ihm mit meinen bescheidenen Kenntnissen nicht wiedersprechen.

 

Bergen, ehemals die Hauptstadt Norwegens und heute zweitgrößte Stadt, ist absolut sehenswert. Die Stadt schmiegt sich an die Hänge der Berge, die aus den Fjorden emporsteigen. Neben vielen historischen Holzhäusern findet man auch moderne, aus Stein errichtete Gebäude, wie z. B. das große Krankenhaus Haraldsplass Dikonale Sykehus. Zu diesem Krankenhaus bestand auch Kontakt, aber unsere Schüler haben nicht das entsprechende Alter (18 Jahre) und nicht die notwendigen Sprachkenntnisse. Die Stadt bietet viele Sehenswürdigkeiten; die Kultur- und Freizeitmöglichkeiten scheinen unbegrenzt. Mir fiel auch hier auf, dass die Norweger sich als sportliche Naturmenschen sehen. Die umliegenden Berge und das Wasser bieten zahlreiche Gelegenheiten zu sportlicher Betätigung in der Natur. Um sich einen Überblick über die Angebote zu verschaffen braucht man Zeit: Zahlreiche Plakate werben für Schiffstouren in die Fjorde oder Radtouren in die Berge oder Trekkingtouren oder …….

 

Am späten Nachmittag fuhr ich zurück in die Jugendherberge, habe mich ausgeruht, gegessen und meine Sachen gepackt. Am nächsten Morgen wollte ich früh aufstehen und nach Oslo zurückreisen.

 

Sonntag 22. Oktober

Am Sonntag verließ ich schon sehr früh die Jugendherberge und nahm um 7:00 h den Bus zum Bahnhof, ich wollte mit dem Zug nach Oslo reisen und freute mich schon auf die Fahrt durch das Gebirge, die Hardangervidda. Was ich auf der Fahrt sah, übertraf meine Vorstellungen vom norwegischen Hochgebirge. Die absolut phantastische Landschaft berührte mich sehr.

ZAUBERHAFT

 

Immer wieder tauschten meine Sitznachbarin und ich staunende, bewundernde Blicke. Endlich sprach ich sie an und wir unterhielten uns bis Geilo, der Stadt, an deren Bahnhof sie ausstieg, auf Norwegisch Sie erzählte mir, dass der Weg, der entlang der Trasse verläuft, ein wunderbarer Radweg von etwa 70 Kilometer Länge ist. Man solle sich Zeit nehmen, wenn man ihn fährt, weil man dann die Schönheiten der Natur besser genießen könne. Die fast sieben Stunden dauernde Fahrt ist keinen Augenblick langweilig oder anstrengend.

 

In Oslo stieg ich in meinen Zug nach Tonsdorf und stellte im Verlauf der Fahrt fest, dass ich wieder ein Stück zurück fuhr, ich hätte gar nicht bis Oslo zu fahren brauchen, ich hätte schon einige Stationen vorher umsteigen können. Ein wenig ärgerte ich mich über die vertane Zeit, denn es war jetzt schon relativ spät. In Tonsberg kam ich gegen 16:00 h an, es regnete in Strömen und es wurde auch schon bald dunkel. Das war richtig ungemütlich. Die Unterkunft, die ich über Airbnb gebucht hatte, fand ich nicht gleich, weil es regnete und es inzwischen ziemlich dunkel geworden war. Schließlich fand ich das Haus und war froh, in einer warmen Wohnung zu sein.

 

Montag, 23. Oktober

 Um 7:00 h traf ich Frau Petersen, die mich an der Wohnung abholte, damit ich nicht mit Koffer und Bus unterwegs sein musste. Sie ist die sehr engagierte Leiterin des Montessori Kindergartens in Tonsberg. Wir kamen noch in der Dunkelheit in der Einrichtung an, in der die Erzieher und Lehrer auch nach und nach eintrafen. Dieses Montessori Kinderhaus ist eine große Einrichtung, die ich in den nächsten 1 ½ Stunden kennenlernen durfte. Frau Petersen stellte mir Kinderhaus und Schule sehr ausführlich vor.

Die unterschiedlichen Altersgruppen sind aufgeteilt in die Gruppen 0 -3 Jahre Kleinkind, Kinderhaus (ab 10 Monaten bis 2,5 Jahre) und 3 -6 Jahre Kinderhaus

Dieser Einrichtung angegliedert ist eine Montessori-Schule, die drei Altersgruppen unterscheidet:

 

Småskolen

(Schule für die Kleinen)

Storskolen

(Schule für die Großen

Ungdomsskolen (Jugendlichenschule)

     

 

Ab 6 Jahre können die Kinder die Schule besuchen, bis sie 18 Jahre alt sind. Auch hier gehört die Arbeit in der Natur und mit Tieren (Pferden) zu den Unterrichtsinhalten.

 

Außerdem gibt es die SFO, die ein Teil des normalen Schullebens ist, sich aber vom gewöhnlichen Schulleben unterscheidet. Die SFO – die Betreuung der Schüler – gibt es auch in den Ferien.

 

Mein Eindruck war, dass in dieser Montessori Einrichtung viele sehr engagierte Pädagogen arbeiten. Ich fragte, wie man mit dem Thema Inklusion in Norwegen umgeht und erfahre, dass man Inklusion in Norwegen schon lange selbstverständlich praktiziere. Frau Petersen erzählte, dass sie gerade ein Kind haben, bei dem es sehr schwierig werden könnte, es in der Einrichtung zu betreuen, weil der Grad der Behinderung wahrscheinlich zu groß sei. In manchen Fällen komme man an Grenzen, wo die Aufnahme von Kindern mit Handicap nicht sinnvoll ist, weil man ihren Bedürfnissen nicht gerecht werden könne.

 

Frau Petersen ist sehr daran interessiert Schülerinnen und Schülern unserer Schule einen Praktikumsplatz anzubieten, sie sagte, sie haben in der Einrichtung gute Erfahrungen mit Praktikanten gemacht. Frau Petersen findet, dass es sich bei dem Austausch um eine Win-Win Situation handelt. Für weitere Informationen siehe: http://www.montessori.vf.no

 

Frau Petersen brachte mich zum Bahnhof, so dass ich den Zug um 9:18 h zum Flughafen bekommen konnte.

 

Resümee

 

Für mich war es absolut lohnenswert, das Land, die Menschen und den Alltag der Menschen in Norwegen auf diese Weise kennen zu lernen. So habe ich einen kleinen Einblick in die Strukturen und Werte der Gesellschaft bekommen. Ich habe im Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Situationen nur gute Erfahrungen gemacht. Mir hat der Kleine Fettnäpfchenführer geholfen, die Mentalität der Norweger ein wenig einschätzen zu lernen, so dass ich gut zurechtgekommen bin.

 

Die Pädagogen und Erzieher, die ich kennengelernt habe, habe ich als sehr engagiert erlebt und ich denke, dass unsere Schüler einen großen Gewinn aus einem Aufenthalt in einer der Einrichtungen ziehen werden. Für mich war die Mobilität auch insofern ein Gewinn, weil ich meine bescheidenen Sprachkenntnisse anwenden und erweitern konnte und nun sehr motiviert bin, die Sprache weiterhin zu lernen. Ich habe durch den Aufenthalt in den Häusern und durch die Gespräche einen kleinen Einblick in Alltagssituationen in einem Land erlebt, den ich als Tourist nie haben könnte. Das Ziel der Mobilität und meine Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sowie das Wohnen in einfachen Unterkünften haben mir eine ganz andere Wahrnehmung vermittelt. Ich fühlte mich den Menschen näher und habe mehr das alltägliche Leben in diesem Land kennen gelernt.

 

Ich beneide unsere Schüler um ihre Möglichkeiten und denke selbst darüber nach, mir einen Arbeitsaufenthalt für ca. vier Wochen in Norwegen zu suchen.

 

Dezember 2017