Bildungsangebot "FS"

Fachschule für Sozialwesen Fachrichtung Sozialpädagogik (Europaqualifikation)

Abteilung Sozial- und Gesundheitswesen III

Dauer: 36 Monate
Schulort: Stolberg
Schwerpunkte: sozialpädagogisch
Abschluss: Staatlich anerkannte Erzieherin/Erzieher (St-FS)
Unterrichtsform: Vollzeit

"Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen." (Marcel Proust; 1871- 1922).

Das BK Stolberg/ Simmerath hat in verschiedenen Ausbildungsgängen Erfahrungen sammeln können mit internationalen Ausbildungskontakten. Doch nicht nur im Kontakt mit Einrichtungen und Menschen in anderen Ländern, sondern bereits im Rahmen ihrer Ausbildung vor Ort ergeben sich für Schüler und Studierende viele Möglichkeiten das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen, vorurteilsbewusst und wertschätzend zu gestalten. Eigene innere Grenzen wahrzunehmen und in Austausch und Kommunikation zu überwinden ist ebenso Ziel der (Aus)Bildung an unserem Berufskolleg, wie die konkrete Öffnung nach außen für internationale Belange im Schul- und Berufsleben.

In der Fachschule für Sozialpädagogik ist die Arbeit an diesen Zielen integraler Bestandteil der Ausbildung, im Rahmen der sog. ‚Europaklasse' wird es darüber hinaus angehenden Erzieherinnen und Erziehern ermöglicht Praktika im europäischen Ausland zu absolvieren:

Dazu stellt die Europäische Union im Zusammenhang mit dem sogenannten ‚Leonardo da Vinci Programm' Gelder zur Verfügung, mit denen ein erheblicher Teil der Kosten für Unterkunft und Verpflegung, ggf. auch die Fahrtkosten, gedeckt werden können, so dass den Studierenden zumeist keine Sonderkosten entstehen.
Die Höhe der Förderung richtet sich dabei nach den Lebenshaltungskosten im Gastland.

Den Studierenden wird damit die Möglichkeit geboten

  • sozialpädagogische Tätigkeitsfelder im europäischen Ausland kennen zu lernen,
  • eigene Haltungen, pädagogische Vorannahmen und Kenntnisse zu überprüfen, zu verändern und zu erweitern,
  • die eigenen sozialen und sprachlichen Kompetenzen zu erweitern und anzuwenden,
  • Kompetenzen zum Aufbau eines offenen Kommunikationsprozesses zwischen allen Beteiligten zu erweitern und anzuwenden,
  • Zielvorstellungen, Konzepte, Maßstäbe und Verhaltensweisen auf dem jeweiligen gesellschaftspolitischen Hintergrund zu erfassen und Vergleiche anzustellen
  • und damit eine eigene berufliche Profilbildung zu entfalten und die Arbeitsmarktchancen zu verbessern.

Zu Beginn der Oberstufe absolvieren die Studierenden dazu ein 3- wöchiges Praktikum in sozialpädagogischen Einrichtungen im europäischen Ausland, das zuvor auf verschiedenen Ebenen (6 Stunden zusätzlicher Unterricht pro Woche) vorbereitet wird:

Im ‚Fach' ‚Landeskunde' (2 Std/wö/ Unterstufe und erstes Halbjahr Oberstufe) erfolgt die Vor- und Nachbereitung des Praktikums durch die Bearbeitung spezifischer Inhalte, wie:

  • Kultur und Lebensräume in den europäischen Partnerländern,
  • Geschichtliches und aktuell Politisches
  • allgemeine Lebenssituationen (Alltag, Musik, Mode, Ernährung; Musik und Medien)
  • Schul- und Ausbildungssysteme Deutschlands im Vergleich mit den Schul- und Bildungssystemen der Gastländer
  • Auseinandersetzung mit eigenen interkulturellen Kompetenzen.

In Sprachkursen (2 Std/wö bis zum Beginn des Praktikums) werden Grundkenntnisse der Sprache des Gastlandes mit besonderem Bezug zum pädagogischen Wortschatz erarbeitet.

Im bilingual unterrichteten ‚Fach' ‚culture and education' (2 Std/wö/ Unterstufe) werden interkulturell relevante und sozialpädagogische Themen in englischer Sprache bearbeitet.
Eingebettet sind diese Unterrichtsinhalte in fächerübergreifend unterrichtete Lernfelder und Lernsituationen, so dass sie sich aufbereitet, erweitert und vertieft aus verschiedenen Perspektiven bearbeiten lassen:

In der sozialpädagogischen Ausbildung bildet die Auseinandersetzung mit Themen zur interkulturellen Kompetenz für die Tätigkeit im In- und Ausland einen besonderen Schwerpunkt.

Ebenso wichtig ist der interkulturelle Blickwinkel bei der Bearbeitung bildungs-, erziehungs- und betreuungsrelevanter Themen in vielen weiteren ‚Fächern' (z.B. Deutsch/Kommunikation, Religion, Politik ...).
Die Teilnahme an einem Praktikum im europäischen Ausland ist grundsätzlich für jeden Interessenten/jede Interessentin möglich, auch ohne sprachliche Vorkenntnisse der Sprache des Gastlandes. Es empfiehlt sich, die Absicht an der Belegung der sog. ‚Europaklasse' auf dem Formblatt bei der Anmeldung zur Ausbildung anzugeben.

Die interessierten Studierenden können sich selbstständig eine Praxiseinrichtung der Elementarpädagogik suchen; sie können aber auch auf bereits bestehende Kontakte zu Partnereinrichtungen zurückgreifen.
Die abschließende Auswahl und die entsprechende ‚Verteilung' von Gastländern und Einrichtungen liegt dabei bei den Studierenden.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Praktikums wird der sogenannte ‚Europass Mobilität' erworben. Er dokumentiert interkulturelle Tätigkeiten und persönliche Entwicklungen in Bezug auf alle berufsbezogenen pädagogischen Arbeiten/ Praktika etc. im europäischen Ausland und kann von der Erzieherin/ dem Erzieher lebenslang genutzt und erweitert werden.

Warum ist eine interkulturelle Ausbildung überhaupt erstrebenswert?

Auf dem Weg zum Vereinteten Europa brauchen wir Neugier, Offenheit für Ungewohntes, für Fremdes und Facettenreiches. Gerade auch in der sozialpädagogischen Arbeit sind diese Eigenschaften diejenigen, die es Kindern und Jugendlichen ermöglichen sich individuell zu entwickeln und die Begegnung mit Neuem und Herausforderndem als Bereicherung zu erleben. Erzieher und Erzieherinnen wirken dafür als Modell:

  • durch ihre eigenen, reflektierten Erfahrungen von Begegnungen mit anderen Kulturen und Lebensweisen,
  • durch ihr Fachwissen über unterschiedliche Sozialisationsbedingungen und unter-schiedliche Wege die Welt zu entdecken,
  • durch ihre interkulturelle Kompetenz, die es ihnen ermöglicht sich einfühlen zu können in Familien, Kinder, Jugendliche, die mit/in zwei oder mehr Sprachen und Kulturen aufwachsen.

Das qualifiziert sie besonders für die Arbeit in bi- oder multilingualen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Inland, für die Arbeit in Institutionen mit einem hohem Anteil an Kindern/ Jugendlichen mit Migrationshintergrund und/ oder für die Arbeit in bilingualen Einrichtungen im Ausland.